"Indem die Stadt die Künstler ehrt, ehrt sie sich selbst."

Die Initiatoren des Kaiserrings wussten, dass sein erster Träger für die Zukunft dieses Kunstprei-ses entscheidend sein würde. Die Jury entschied sich für Henry Moore.
Seine Zustimmung machte der mit Ehrungen überhäufte Künstler von dem persönlichen Eindruck abhängig, den er sich bei einem Besuch in Goslar verschafffen wollte. Er kam im Juni 1975 mit seiner Tochter Mary für zwei Tage in die Kaiserstadt und die Gastge-ber schwebten zwischen Hoffen und Bangen: Sollte der berühmte Bildhauer den Preis ablehnen, dann würde sich kein anderer Künstler von Rang als "zweite Wahl" bereit finden. Die Befürch-tungen waren unbegründet:

 
 


Wegen seiner reichen architektonischen, städtebaulichen und kunsthand-werklichen Substanz wurde Goslar zum Weltkulturerbe erhoben. Doch was in Mittelalter und Renaissance entstand, wurde von späteren Generationen kaum gemehrt. Die einst reiche Stadt hatte unter vielfältigen politischen und wirt-schaftlichen Zwängen Mühe, mit der zivilisatorischen Entwicklung Schritt zu halten. Für Kunst und Kultur blieb da wenig Raum, bis 1974 eine Handvoll engagierter
Bürger beschloss, auch auf diesem Gebiet eine Brücke vom Einst zum Jetzt zu schlagen und den Verein zur Förderung moderner Kunst in Goslar gründete. Mit der Stiftung eines ideellen Kunstpreis es sollte ein international beachtetes Zeichen gesetzt werden.


Henry Moore war von der schönen, alten Stadt begeistert und von der Ernsthaftigkeit des Anliegens überzeugt.

"It is a great honour for me", sagte er. Erst in diesem Augenblick war der Kaiserring Wirklichkeit geworden.